Pflanzen lösen nur durch einen bloßen Seitenblick meinerseits schon Glücksgefühle bei mir aus. Mein Schlafzimmer wird immer grüner, viele Ableger schwimmen in Wassergläser und ich bin von den ersten Wurzelansätzen fasziniert. Heute möchte ich euch nur fünf – Festlegung fiel mir schwer – Gründe aufzählen, warum ich Pflanzen bewundere und warum auch ihr sie vielleicht bald bestaunen werdet.

1. Unabhängigkeit der Pflanzen
Ganz klar ist, dass wir ohne Pflanzen nicht leben könnten. Ihr Abfallprodukt Sauerstoff gewährt unser Überleben. Der größte Teil der Landmasse der Erde wird von ihnen bewohnt, sie beweisen ihr Übergewicht und so auch ihr Übermacht, denn ohne sie sind wir lebensunfähig. Die Autorin Barbara Frischmuth stellte sich in eines ihrer Bücher die Frage, ob die Pflanzen uns vermissen würden. Und die stelle ich mir auch. Bestimmt nicht für lange Zeit, und auch nur jene, die von Menschen umsorgt werden. Denn schon bald werden sich diese Pflanzen oder deren Nachfahren neu organisieren, ihre Möglichkeiten neu ordnen und sich so evolutionsbedingt renaturieren, um sich an die neuen Begebenheiten anzupassen.

2. Reaktionen der Pflanzen
Pflanzen sind passive Wesen und vegetieren nur so vor sich hin. Sie blühen und verblühen. Dazwischen gibt es für viele anscheinend nicht viel. Es passiert jedoch so viel mehr, meist können wir es nicht sehen und der größte Teil davon ist noch gar nicht erforscht. Was jedoch bewiesen ist, ist, dass ein beschädigtes Blatt einer Pflanze die übrigen gesunden Blätter mit einem elektrischen Signal warnen kann. Dieses Signal wird ausgeschickt, damit sich die Pflanze auf die gefährliche Umgebung einstellen kann und ihren Stoffwechsel verändert. Ohne zu fliehen, kämpft die Pflanze um ihr Weiterbestehen.

3. Manipulationen der Pflanzen
Es ist vielleicht nur menschlich zu denken, dass Pflanzen nur als Quelle für Schönheit, Nahrung, Rausch oder Heilung dienen. Michael Pollan brachte mich auf die Idee die Perspektiven neu zu denken. Was wäre, wenn manche Pflanzenarten nur deswegen bestehen, da sie uns durch ihre Wirkstoffe und (berauschenden) Geschmäcker manipuliert haben, damit wir uns deren Kultivierung widmen. Machen sich die Pflanzen so den Menschen zu nutzen und der Mensch bemerkt es erst gar nicht? Beispielsweise gibt es mehrere Begründungen darüber, warum die Cannabis-Pflanze den Wirkstoff Delta-9-Tetrahydrocannabinol (THC), der zu dem Zustand des High-Seins führt, produziert. Entweder THC dient zur Abwehr, um nicht gefressen zu werden. Oder THC hilft vor Schutz gegen erhöhte UV-Bestrahlung. Oder die Pflanze sichert durch THC ihr Fortbestehen. Die Mächte der Cannabis-Pflanze greifen ins menschliche Bewusstsein ein, beeinflussen es und vielleicht manipulieren sie uns so gewollt?

4. Zusammenarbeit der Pflanzen
Pflanzen sind in vielerlei Hinsicht Teamplayer und so auch die Bäume im Wald. Diese gehen eine Symbiose mit einer Pilzart ein (Pilze sind übrigens auch mega spannend), um sich gegenseitig auszutauschen, beispielsweise mit Wasser, Stickstoff oder Kohlenstoff. Bäume im Wald organisieren sich, indem sie die unterirdischen Netzwerke der Pilze nutzen. In diesem Netz werden ihre Wurzeln zusammengeschlossen, sodass der Austausch von Informationen und Nährstoffen ermöglicht wird. So können beispielsweise ältere Bäume den jungen, die vielleicht im Schatten liegen und an wenig Licht kommen, zur Hilfe „kommen“ und die Zöglinge versorgen. Faszinierend, oder?

5. Sextricks der Pflanzen
Wisst ihr, dass eine Orchidee Pheromone produzieren kann, die beispielsweise eine Biene anlocken und ihr so Aussicht auf Sex gibt, ihr aber „bloß“ Pollen aufhalst, damit die Orchidee ihre Vermehrung ankurbelt. Ziemlich dreist, oder? Und bestimmt kein Einzelfall in der Pflanzenwelt. Pflanzen nutzen Tricks, um Insekten (oder Vögel, oder Fledermäuse) in ihr Liebesspiel einzubauen und diese in ihrem Sinne für sich arbeiten zu lassen. Oder hat das Tier nicht auch etwas von dieser „Beziehung“?

 

Ich bin keine Pflanzenexpertin und das Wissen aus den oben genannten Punkten habe ich mir aus Bücher angeeignet. Die Quellen, auf die ich mich hier nun bezogen habe, habe ich weiter unten angeführt, falls jemand von euch beim Durchlesen auf den Geschmack gekommen ist und mehr erfahren will.
Falls ihr Fragen zu dem Thema habt, fragt mich alles was ihr wollt. Mal schauen, ob ich sie als Pflanzen-Laie beantworten kann! 😉 
Alles Liebe,

 

Quellen

Chamovitz, Daniel: Was Pflanzen wissen. Wie sie sehen, riechen und sich erinnern. München: Hanser Verlag 2013.

Frischmuth, Barbara: Der unwiderstehliche Garten. Eine Beziehungsgeschichte. Mit Illustrationen von Melanie Gebker. Berlin: Aufbau Verlag 2015.

Pollan, Michael: Die Botanik der Begierde. Vier Pflanzen betrachten die Welt. München: Claassen Verlag 2002.

[Gesamt:0    Durchschnitt: 0/5]